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Teilnehmerbericht von der Baja Saxonia 2008 Drucken E-Mail
Geschrieben von Quincy   
Montag, 24 März 2008
baja-saxonia

 Ostern im Schnee

Michael im Camp bei der Vorbereitung Nachhdem ich knapp zwei Jahre bei keiner Rennveranstaltung aktiv war, habe ich mich entschlossen im Jahr 2008 wieder bei mehreren Veranstaltungen teilzunehmen. 

Leute, ihr könnt gar nicht glauben wie sehr sowohl der eigene Körper wie auch die Race-Einstellung des Fahrers rosten kann. Ich habe einige Schlüsse aus dem Rennen gezogen. Die gute Nachricht ist: Ich habe nicht unter meiner schlechten Kondition und meiner Raucherlunge gelitten. Die schlechte: Es gab andere Probleme..... mehr dazu in dem kompletten Artikel.

Die Anreise:

Hohenmölsen in Sachsen liegt ja bekanntlich nicht gerade in der Umgebung von Neckarsulm. Knapp 400 km auf der Autobahn im Jeep mit Stollenreifen und Anhänger im Schneesturm auf der Autobahn. Auch das war ich nicht mehr gewohnt. Durch Staus und stockenden Verkehr habe ich das Ziel (Camp) nach sechs Stunden endlich erreicht. Nahe eines Bandscheibenschadens konnte ich endlich meinem alten Kumpel Michael bei einem kühlen Bier begrüßen. Michael hatte das Vorzelt (mein Schlafgemach) schon aufgebaut. Wetter: kalt, durchwachsen.
 

Karfreitag - Prolog:
Das Camp Am frühen Morgen aufstehen, ein bisschen im Camp umschauen und alte Bekannte begrüßen. Endlich mal wieder den einen oder anderen aus der Offroad Szene treffen. Mein Freund Fritz ist auch mit seinem rallytauglichen Toyomog angereist. Sonst sind noch viele Race-LKWs und Renn-Gs da. Viele Mopeds, meist der Marke KTM aber nur wenige Quads sind zu finden. Liegt es am eiskalten Wetter?
Gott sei Dank haben wir die Anmeldung schon gestern erledigt, denn heute steht eine Riesen- Schlange vor dem Anmeldebüro. Also schnell zum technischen Check, damit eventuell noch Nachbesserungen möglich sind. Akribisch prüfen die Kontrolleure die Stiefel, die Protektoren, Brille und Helm sowie das Fahrzeug. Meine Polaris Scrambler geht anstandslos durch (man glaubt es kaum), während Michael ein scharfkantiges  Bergegurt Behältnis abschrauben muss.
Um 13:00 Uhr fahren die ersten Mopeds und Quads laut Roadbook zum 6 km entfernten Tagebaugebiet. Da der Prolog erst um 14:00 Uhr startet beschnuppern wir uns alle. Neun Quads scheinen am Start zu sein. Darunter ein Polaris Razor. Ist das ein Quad? Aber wir sind ja tolerant. Endlich 14:00 Uhr: erst starten die ca. 40 Mopeds, dann die Quads im Minutentakt. Fast schon selbstverständlich wird hier digital mit Transponder gewertet.
Der Prolog Zu bewältigen sind 15 km Tagebaugelände bei trockenen Wetter laut Roadbook. Wie unterschiedlich der Untergrund des Tagebaus sein kann zeigt sich den Fahrern.. Beim Zeichen "Go" starte ich und nach drei - vier Kurven stelle ich fest, dass ich meinen Roadbook/Tripmasterhalter nicht wirklich festgeschraubt habe. Das ganze Gedöns fällt nach vorne ab, so dass ich es nicht einsehen kann. Weitere zwei Kilometer bleibe ich gelegentlich halten und lese die Strecke nach. Bald wird mir das zu blöd und ich fahre langsam um den nach mir startenden Michael Schneider aufschließen zu lassen. Neue Taktik: nicht super schnell zu sein, sondern den Prolog heim schaukeln und nicht verfahren. Das Tempo von Michael Quad in Action kann ich mithalten. Nicht gerade locker, aber seinem Eisenschwein (Quest 650) komme ich hinterher. Die Prologstrecke ist abwechslungsreich. Enge Ecken, lange Speedetappen wie auch extreme Bodenwellen. Nur extreme Passagen fehlen vielleicht ein bisschen. Ab 21 Uhr hängen die Ergebnislisten aus: Der Schrecken!!!! Dass wir mit ATVs nicht vorne mitfahren können, war klar. Aber wir wurden deklassiert. Die schnellen, leichten Hecktriebler waren bis zu 6 Minuten schneller. Wir finden uns damit ab und beschließen sämtliche Ambitionen auf vordere Plätze abzulegen, soviel Gas wie möglich zu geben und Spaß zu haben.

WP1:
Start im Tagebau 06:00 Uhr. Das bedeutet Mitte März, dass es verdammt kalt, beim Aufstehen finster ist, und dass niemand ausgeschlafen hat, wenn er um 04:30 Uhr aus dem Schlafsack krabbelt. An Party ist da am Vorabend nicht zu denken. Unsere Startzeit: 06:22 Uhr, leider habe ich nur eine getönte Brille dabei. Die Sonne aber hat das Tageslicht noch nicht zum Vorschein gebracht. Dunkel und kalt, das sind die Vorgaben. Wenigstens kein Regen oder Schnee denken wir uns. Man kann sich ja alles schön reden.
Der Roadbookkurs sagt, dass wir sechs mal den Rundkurs von 35 km bewältigen müssen. Michael und ich beschließen gemeinsam zu fahren, da wir eh die langsamsten sind und mein Tripmaster nicht richtig funktioniert.
Polaris Rzr Kurz nach dem Start blendet die aufgehende Sonne so sehr, dass es nur schwer zu erkennen ist wo es lang geht. Michael wartet nach drei Kurven auf mich. Zu zweit navigieren wir souverän durch das Gelände. Dabei bemerken wir, dass wir sehr gut im Rennen liegen und die "Spurenfahrer" überholt haben. Am ersten CP sind wir auf Platz 3 obwohl wir von den Plätzen 8 und 9 gestartet sind. Das lässt Gutes erhoffen. Allerdings sind die anderen schnell. Sehr schnell. So schnell, dass sie den ersten CP nicht gefunden haben. Uns ist natürlich auch klar, dass wir nach der ersten Runde, 40 Mopeds und 10 Quads nicht mehr navigieren müssen und die "Leichten" uns in Sack und Asche fahren werden. Egal, wir wollen Spaß, mit unserer Unterlegenheit haben wir uns abgefunden.
Nach 1 1/2 Runden, Michael gibt das Tempo vor, zerbrösselt sich der Riemen meiner Variomatik und ich bleibe in der Walachei stehen. Wie gut dass ich einen Riemen mit in das Rennen genommen habe. Nur nicht bei mir, sondern in der 10 km entfernten Tankzone. Michael merkt nicht, dass ich weggefallen bin. Am nächsten CP erfährt er von einem Mopedfahrer, dass ich auf der Strecke stehe. Ein guter Freund ohne Ambitionen auf den ersten Platz, dreht um und versucht mich zu bergen. 10 km an einem 1 Meter langen Seil setzen mir ganz schön zu. Außer dass ich mich konzentrieren muss ihm nicht ins Heck zu erste Panne fahren, schmeißen seine Inova Reifen mich und mein Fahrzeug mit Schlamm zu. Im Tankbereich angekommen reparieren wir gemeinsam meine Scrambler und werfen quasi eine Stunde auf die Strecke.Eine halbe Runde später meldet sich die Polaris mit einem köchelnden Motor auf die Schlammschmeißerei beim Abschleppen. Wieder muss ich Michael davon ziehen lassen. Ich muss den Motor abkühlen lassen und  fahre super langsam ins Ziel um zumindest drei von sechs Runden in Wertung zu sein. Nur nicht den neuen Motor verblasen!!!!
Michael hat wenigstens in der Vorgabezeit fünf der sechs Runden geschafft. Auch das Polaris Razor Team kann die ganze Strecke aufgrund von Motorproblemen nicht bewältigen. Die Hoffnung stirbt zuletzt: ich bin wohl letzter und Michael vorletzter. Nicht aufgeben, wir schaffen das.
Um 21:00 Uhr, die befürchte Wahrheit. Wir sind letzter und Vorletzter. Egal. Fahrerbesprechung: Aufgrund des schlechten Wetters (es schneit schon) wird der Start von 06:00 Uhr auf 07:00 Uhr verschoben. Noch ein Bier und ab ins Bettchen, bzw. ins Zeltchen.

WP2:

Nur zu dumm, dass ich doch zwei Bier am Vorabend getrunken habe. Denn ich habe den Wecker statt auf 05:30 Uhr auf 06:30 Uhr gestellt. Panik!!!!!
Winter auf der Saxonia Auf dem Weg zum Dixi durch das Schneegestöber erfahre ich, dass der Start um eine weitere Stunde wegen dem Unwetter verschoben wurde. Cool, ich kann auch noch einen Kaffee trinken. Als wir um 7:40 Uhr am Start ankommen, erfahren wir, dass wir nicht die volle Distanz von 6 x 36 km fahren müssen, sondern die Strecke aus Sicherheitsgründen auf 20 km gekürzt wurde. Statt Roadbookstrecke gibt es einen duch Flatterband vorgegebenen Kurs. Es schneit wie bekloppt und die Fingerspitzen sind beinahe nicht mehr zu spüren. Kurz nach dem Start hole ich Michael wie verabredet ein. Nach ca.1 km kommt eine schlammige Abfahrt, die wir ohne Probleme bewältigen. Doch dann ist die Schlüsselstelle vor uns. Eine sehr schlammige Passage von ca 500 Metern mit tiefen Spurrillen. Hier treffen wir auf die schnellen Hecktriebler, die sich gnadenlos fest gefahren haben. Jetzt mit unseren ATVs durchprügeln und wir könnten den immensen Zeitverlust des Vortages wieder gut machen. Naja, Gegen Sand und Schnee so wie die Sportquads sich im Schlamm angesaugt haben würden sie bis Pfingsten stehen und wir beschließen in alter Pfadfindermanier zu helfen. Nachdem zwei Quads geborgen sind, fräst sich eine 950er KTM fest. Ich kämpfe mich mit Michaels Windenseil durch den Schmodder und hänge auch ihn ein. Die Weiterfahrt bereitet unssehr gute Laune, den wir sind heute eindeutig im Vorteil. Allerdings ist der ständig spritzende Schlamm auf der ganzen Runde so stark, dass selbst die eigene Brille immer verschlammt ist. Den Rest besorgen uns die Mopedfahrer, die als Bauschutt- und Schmodderschleuder fungieren. Das Schlimmste daran ist, dass Schnee und Schlamm auf der Brille fest gefrieren. Nach sieben Kilometern ist also eine Winterfahrt ohne Brille angesagt. Auch nicht sehr angenehm, besonders auf den schnellen Passagen werden die Schneeflocken zu Nadelstichen. Wir kommen gut und schnell durch und nach 3 Runden (60 km) machen wir in der Tankzone sicherheitshalber eine Boxenstopp. Mit meinem 12 Litertank schaffe ich eh keine 120 km. Bei dem Wetter schon gar nicht. Ich tanke und tanke und mit dem letzten Tropfen aus dem 10 Liter Kanister ist der Tank voll. Das bedeutet, ich habe für 60 Kilometer 10 Liter verbrannt! Die Klamotten sind mittlerweile mehr als doppelt so schwer, aber durch die Anstrengung frieren wir wenigstens nicht mehr so sehr. Also weiter, juhu! Nach kurzer Zeit Situation? kommen wir wieder an die Schlammpassage. Mittlerweile sind die Spuren aber so sehr ausgefahren, dass ich mir einen neuen Weg durch die Hecke suche. Nicht kleckern sondern klotzen denke ich mir und versuche alles um zu walzen. Da passiert der Supergau. Ich fädele mit dem rechten Vorderrad an drei dünnen Bäumchen ein und dank meiner zügigen Fahrt bleibt meine Polaris abrupt stehen. Allerdings nur mit der Vorderachse. Das Heck kommt in Fahrgeschwindigkeit hoch und ich mache samt ATV einen Salto vorwärts. Leicht benommen stehe ich auf und kann schnell fest stellen, dass mit mir alles ok ist. Cockpit, Lenker und Lenkrohr sehen nicht mehr original aus, sind aber fahrtüchtig. Michael erkundigt sich nach meinem Befinden und wir beschließen die Fahrt wieder aufzunehmen. Nach 100 Metern kommt was kommen musste. Die Temperaturleuchte. Klar so wie der Kühler und Motor aussieht musste der Motor überhitzen. Aus Angst vor weiteren Schäden schicke ich Michael im Alleingang weitee und rette mich die letzten 15 km ins Ziel mit zwei fehlenden Runden.



Tankstop Alles in allem hat es trotz der zwei Ausfälle sehr viel Spaß gemacht obgleich ich mir nicht bewusst war, wie schnell die Strecke bei trockenem Wetter ist. Natürlich sind schnelle und leichte Fahrzeuge in der Regel schneller, aber wehe, wenn es feucht wird. Ich habe gelernt, dass noch einige technische Verbesserungen an der Polaris nötig sind. Eine vordere Platzierung ist natürlich schön, aber wenn es nicht klappt, dann ist doch der Spaß noch wichtiger. Und den hatte ich trotz Kälte, frühem Aufstehen und schlechtem Wetter.

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 9 Juli 2008 )
 
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