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Ostern im Schnee
Nachhdem ich knapp zwei Jahre bei keiner
Rennveranstaltung aktiv war, habe ich mich entschlossen im Jahr 2008
wieder bei mehreren Veranstaltungen teilzunehmen.
Leute, ihr könnt gar nicht glauben wie sehr sowohl
der eigene Körper wie auch die Race-Einstellung des Fahrers
rosten kann. Ich habe einige Schlüsse aus dem Rennen gezogen.
Die gute Nachricht ist: Ich habe nicht unter meiner schlechten
Kondition und meiner Raucherlunge gelitten. Die schlechte: Es gab
andere Probleme..... mehr dazu in dem kompletten Artikel.
Die Anreise:
Hohenmölsen in Sachsen liegt ja bekanntlich nicht
gerade in der Umgebung von Neckarsulm. Knapp 400 km auf der Autobahn
im Jeep mit Stollenreifen und Anhänger im Schneesturm auf der
Autobahn. Auch das war ich nicht mehr gewohnt. Durch Staus und
stockenden Verkehr habe ich das Ziel (Camp) nach sechs Stunden
endlich erreicht. Nahe eines Bandscheibenschadens konnte ich endlich
meinem alten Kumpel Michael bei einem kühlen Bier begrüßen.
Michael hatte das Vorzelt (mein Schlafgemach) schon aufgebaut.
Wetter: kalt, durchwachsen.
Karfreitag - Prolog:
Am frühen Morgen
aufstehen, ein bisschen im Camp umschauen und alte Bekannte begrüßen.
Endlich mal wieder den einen oder anderen aus der Offroad Szene
treffen. Mein Freund Fritz ist auch mit seinem rallytauglichen
Toyomog angereist. Sonst sind noch viele Race-LKWs und Renn-Gs da.
Viele Mopeds, meist der Marke KTM aber nur wenige Quads sind zu
finden. Liegt es am eiskalten Wetter?
Gott sei Dank haben wir die
Anmeldung schon gestern erledigt, denn heute steht eine Riesen-
Schlange vor dem Anmeldebüro. Also schnell zum technischen
Check, damit eventuell noch Nachbesserungen möglich sind.
Akribisch prüfen die Kontrolleure die Stiefel, die Protektoren,
Brille und Helm sowie das Fahrzeug. Meine Polaris Scrambler geht
anstandslos durch (man glaubt es kaum), während Michael ein
scharfkantiges Bergegurt Behältnis abschrauben muss.
Um
13:00 Uhr fahren die ersten Mopeds und Quads laut Roadbook zum 6 km
entfernten Tagebaugebiet. Da der Prolog erst um 14:00 Uhr startet
beschnuppern wir uns alle. Neun Quads scheinen am Start zu sein.
Darunter ein Polaris Razor. Ist das ein Quad? Aber wir sind ja
tolerant. Endlich 14:00 Uhr: erst starten die ca. 40 Mopeds, dann die
Quads im Minutentakt. Fast schon selbstverständlich wird hier
digital mit Transponder gewertet.
Zu bewältigen sind 15 km
Tagebaugelände bei trockenen Wetter laut Roadbook. Wie
unterschiedlich der Untergrund des Tagebaus sein kann zeigt sich den
Fahrern.. Beim Zeichen "Go" starte ich und nach drei - vier
Kurven stelle ich fest, dass ich meinen Roadbook/Tripmasterhalter
nicht wirklich festgeschraubt habe. Das ganze Gedöns fällt
nach vorne ab, so dass ich es nicht einsehen kann. Weitere zwei
Kilometer bleibe ich gelegentlich halten und lese die Strecke nach.
Bald wird mir das zu blöd und ich fahre langsam um den nach mir
startenden Michael Schneider aufschließen zu lassen. Neue
Taktik: nicht super schnell zu sein, sondern den Prolog heim
schaukeln und nicht verfahren. Das Tempo von Michael kann ich
mithalten. Nicht gerade locker, aber seinem Eisenschwein (Quest 650)
komme ich hinterher. Die Prologstrecke ist abwechslungsreich. Enge
Ecken, lange Speedetappen wie auch extreme Bodenwellen. Nur extreme
Passagen fehlen vielleicht ein bisschen. Ab 21 Uhr hängen die
Ergebnislisten aus: Der Schrecken!!!! Dass wir mit ATVs nicht vorne
mitfahren können, war klar. Aber wir wurden deklassiert. Die
schnellen, leichten Hecktriebler waren bis zu 6 Minuten schneller.
Wir finden uns damit ab und beschließen sämtliche
Ambitionen auf vordere Plätze abzulegen, soviel Gas wie möglich
zu geben und Spaß zu haben.
WP1:
Start im Tagebau 06:00 Uhr. Das bedeutet Mitte
März, dass es verdammt kalt, beim Aufstehen finster ist, und
dass niemand ausgeschlafen hat, wenn er um 04:30 Uhr aus dem
Schlafsack krabbelt. An Party ist da am Vorabend nicht zu denken.
Unsere Startzeit: 06:22 Uhr, leider habe ich nur eine getönte
Brille dabei. Die Sonne aber hat das Tageslicht noch nicht zum
Vorschein gebracht. Dunkel und kalt, das sind die Vorgaben.
Wenigstens kein Regen oder Schnee denken wir uns. Man kann sich ja
alles schön reden.
Der Roadbookkurs sagt, dass wir sechs mal
den Rundkurs von 35 km bewältigen müssen. Michael und ich
beschließen gemeinsam zu fahren, da wir eh die langsamsten sind
und mein Tripmaster nicht richtig funktioniert.
Kurz nach dem
Start blendet die aufgehende Sonne so sehr, dass es nur schwer zu
erkennen ist wo es lang geht. Michael wartet nach drei Kurven auf
mich. Zu zweit navigieren wir souverän durch das Gelände.
Dabei bemerken wir, dass wir sehr gut im Rennen liegen und die
"Spurenfahrer" überholt haben. Am ersten CP sind wir
auf Platz 3 obwohl wir von den Plätzen 8 und 9 gestartet sind.
Das lässt Gutes erhoffen. Allerdings sind die anderen schnell.
Sehr schnell. So schnell, dass sie den ersten CP nicht gefunden
haben. Uns ist natürlich auch klar, dass wir nach der ersten
Runde, 40 Mopeds und 10 Quads nicht mehr navigieren müssen und
die "Leichten" uns in Sack und Asche fahren werden. Egal,
wir wollen Spaß, mit unserer Unterlegenheit haben wir uns
abgefunden.
Nach 1 1/2 Runden, Michael gibt das Tempo vor,
zerbrösselt sich der Riemen meiner Variomatik und ich bleibe in
der Walachei stehen. Wie gut dass ich einen Riemen mit in das Rennen
genommen habe. Nur nicht bei mir, sondern in der 10 km entfernten
Tankzone. Michael merkt nicht, dass ich weggefallen bin. Am nächsten
CP erfährt er von einem Mopedfahrer, dass ich auf der Strecke
stehe. Ein guter Freund ohne Ambitionen auf den ersten Platz, dreht
um und versucht mich zu bergen. 10 km an einem 1 Meter langen Seil
setzen mir ganz schön zu. Außer dass ich mich
konzentrieren muss ihm nicht ins Heck zu fahren, schmeißen
seine Inova Reifen mich und mein Fahrzeug mit Schlamm zu. Im
Tankbereich angekommen reparieren wir gemeinsam meine Scrambler und
werfen quasi eine Stunde auf die Strecke.Eine halbe Runde später
meldet sich die Polaris mit einem köchelnden Motor auf die
Schlammschmeißerei beim Abschleppen. Wieder muss ich Michael
davon ziehen lassen. Ich muss den Motor abkühlen lassen und
fahre super langsam ins Ziel um zumindest drei von sechs Runden in
Wertung zu sein. Nur nicht den neuen Motor verblasen!!!!
Michael
hat wenigstens in der Vorgabezeit fünf der sechs Runden
geschafft. Auch das Polaris Razor Team kann die ganze Strecke
aufgrund von Motorproblemen nicht bewältigen. Die Hoffnung
stirbt zuletzt: ich bin wohl letzter und Michael vorletzter. Nicht
aufgeben, wir schaffen das.
Um 21:00 Uhr, die befürchte
Wahrheit. Wir sind letzter und Vorletzter. Egal. Fahrerbesprechung:
Aufgrund des schlechten Wetters (es schneit schon) wird der Start von
06:00 Uhr auf 07:00 Uhr verschoben. Noch ein Bier und ab ins
Bettchen, bzw. ins Zeltchen.
WP2:
Nur zu dumm, dass ich doch zwei Bier am Vorabend
getrunken habe. Denn ich habe den Wecker statt auf 05:30 Uhr auf
06:30 Uhr gestellt. Panik!!!!!
Auf dem Weg zum Dixi durch das
Schneegestöber erfahre ich, dass der Start um eine weitere
Stunde wegen dem Unwetter verschoben wurde. Cool, ich kann auch noch
einen Kaffee trinken. Als wir um 7:40 Uhr am Start ankommen, erfahren
wir, dass wir nicht die volle Distanz von 6 x 36 km fahren müssen,
sondern die Strecke aus Sicherheitsgründen auf 20 km gekürzt
wurde. Statt Roadbookstrecke gibt es einen duch Flatterband
vorgegebenen Kurs. Es schneit wie bekloppt und die Fingerspitzen sind
beinahe nicht mehr zu spüren. Kurz nach dem Start hole ich
Michael wie verabredet ein. Nach ca.1 km kommt eine schlammige
Abfahrt, die wir ohne Probleme bewältigen. Doch dann ist die
Schlüsselstelle vor uns. Eine sehr schlammige Passage von ca 500
Metern mit tiefen Spurrillen. Hier treffen wir auf die schnellen
Hecktriebler, die sich gnadenlos fest gefahren haben. Jetzt mit
unseren ATVs durchprügeln und wir könnten den immensen
Zeitverlust des Vortages wieder gut machen. Naja, so wie die
Sportquads sich im Schlamm angesaugt haben würden sie bis
Pfingsten stehen und wir beschließen in alter Pfadfindermanier
zu helfen. Nachdem zwei Quads geborgen sind, fräst sich eine
950er KTM fest. Ich kämpfe mich mit Michaels Windenseil durch
den Schmodder und hänge auch ihn ein. Die Weiterfahrt bereitet
unssehr gute Laune, den wir sind heute eindeutig im Vorteil.
Allerdings ist der ständig spritzende Schlamm auf der ganzen
Runde so stark, dass selbst die eigene Brille immer verschlammt ist.
Den Rest besorgen uns die Mopedfahrer, die als Bauschutt- und
Schmodderschleuder fungieren. Das Schlimmste daran ist, dass Schnee
und Schlamm auf der Brille fest gefrieren. Nach sieben Kilometern ist
also eine Winterfahrt ohne Brille angesagt. Auch nicht sehr angenehm,
besonders auf den schnellen Passagen werden die Schneeflocken zu
Nadelstichen. Wir kommen gut und schnell durch und nach 3 Runden (60
km) machen wir in der Tankzone sicherheitshalber eine Boxenstopp. Mit
meinem 12 Litertank schaffe ich eh keine 120 km. Bei dem Wetter schon
gar nicht. Ich tanke und tanke und mit dem letzten Tropfen aus dem 10
Liter Kanister ist der Tank voll. Das bedeutet, ich habe für 60
Kilometer 10 Liter verbrannt! Die Klamotten sind mittlerweile mehr
als doppelt so schwer, aber durch die Anstrengung frieren wir
wenigstens nicht mehr so sehr. Also weiter, juhu! Nach kurzer Zeit
kommen wir wieder an die Schlammpassage. Mittlerweile sind die Spuren
aber so sehr ausgefahren, dass ich mir einen neuen Weg durch die
Hecke suche. Nicht kleckern sondern klotzen denke ich mir und
versuche alles um zu walzen. Da passiert der Supergau. Ich fädele
mit dem rechten Vorderrad an drei dünnen Bäumchen ein und
dank meiner zügigen Fahrt bleibt meine Polaris abrupt stehen.
Allerdings nur mit der Vorderachse. Das Heck kommt in
Fahrgeschwindigkeit hoch und ich mache samt ATV einen Salto vorwärts.
Leicht benommen stehe ich auf und kann schnell fest stellen, dass mit
mir alles ok ist. Cockpit, Lenker und Lenkrohr sehen nicht mehr
original aus, sind aber fahrtüchtig. Michael erkundigt sich nach
meinem Befinden und wir beschließen die Fahrt wieder
aufzunehmen. Nach 100 Metern kommt was kommen musste. Die
Temperaturleuchte. Klar so wie der Kühler und Motor aussieht
musste der Motor überhitzen. Aus Angst vor weiteren Schäden
schicke ich Michael im Alleingang weitee und rette mich die letzten
15 km ins Ziel mit zwei fehlenden Runden.
Alles in allem hat es trotz der zwei Ausfälle sehr
viel Spaß gemacht obgleich ich mir nicht bewusst war, wie
schnell die Strecke bei trockenem Wetter ist. Natürlich sind
schnelle und leichte Fahrzeuge in der Regel schneller, aber wehe,
wenn es feucht wird. Ich habe gelernt, dass noch einige technische
Verbesserungen an der Polaris nötig sind. Eine vordere
Platzierung ist natürlich schön, aber wenn es nicht klappt,
dann ist doch der Spaß noch wichtiger. Und den hatte ich trotz
Kälte, frühem Aufstehen und schlechtem Wetter.
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