Vorbereitung El Chott von Thorsten Kaiser
Die Rallye – Teil 1 ( Vorbereitung )
Rallye, wer träumt nicht davon? So auch ich. Eines Tages las ich einen Artikel über eben solche, nagelt mich nicht fest, ich glaube es war in der MCE-Aktuell ( ?? ). Ja, da stand ja was von „Amateurrallye“, genau das Richtige für mich!?
16. Sahara Rallye El-Chott 2000, dieser Name ließ mich nicht mehr los. Ich brauchte Input, also ran ans Netz und Infos sammeln. Auf der Seite, wo denn sonst, www.el-chott.de , fand ich was ich suchte. Stellt euch vor, da „dürfen“ sogar Quads mitfahren, welch ein Traum. Startgeld? 1.600,00 DM erschienen mir günstig, so viel Spaß ( ? ) für wenig Geld. Dachte ich jedenfalls. Unwissend welche Ausgaben noch zu tätigen sein würden meldete ich mich kurzentschlossen, bevor ichs mir anders überlegte oder meine Frau dies für mich tun würde, zur Rallye online an. Ein paar Tage später hatte ich die Nennungsbestätigung im Haus. Nun war es amtlich, ich wurde zum Rallyefahrer „geadelt“ und sah mich im Geiste schon auf dem Siegertreppchen stehen und mit der Magnumflasche spritzen. Nach dem ich die erste Freude überwunden hatte wurde ich nachdenklich.
Rallye, was heißt oder besser, was bedeutet das? Viel Streß zur Vorbereitung, viel Kraft zur Überwindung des familieninternen Widerstandes ( vor allem den meiner Frau!! ) und wesentlich mehr Kosten als gedacht! Ich zog Bilanz. Was hatte ich? Ein Quad und den Willen, das war’s. Doch es genügte, mußte genügen um darauf aufzubauen. Ich krempelte die Ärmel hoch und stürzte mich in die Vorbereitungen, bzw. stürze noch immer, denn irgendwie wird man damit nie rechtzeitig fertig.
Was brauchte ich noch? Tripmaster ( 700 DM ); GPS ( 1.700 DM ); Roadbookhalter ( 500 DM ); Kompass analog ( 60 DM ); gute, sogar sehr guAte Reifen u. Felgen ( 2.600 DM ) extra übern „großen Teich“ importiert; Ersatzteile, aber welche? Ich nehme mit: kpl. Bereifung auf Felgen ( die alten ), 1 Satz Achslager hinten, 2 A-Arms, 2 Lenkstangen, 1 Lenkstock, 1 Lenker, 2 kpl. Bremshebel, kpl. Federbeine vorne, Federbein hinten, 1 Kettensatz, 2 Riemen, 1 Einlassmembrane, 2 Luftfiltereinsätze, 5 Luftfilterschaumstoffe, 5 Zündkerzen, 1 Kerzenstecker, Benzin- u. Kühlerschlauch, Leuchtmittel, Sicherungen, Kabelbinder, div. Stecker, Isolierband und Werkzeug. Ich weiß, es hört sich nach viel an aber es ist ja auch meine erste Ralley!
Mein Quad, falls ich vergaß es zu erwähnen, ist eine Polaris Sport 400 und wird erst nochmal zu Taubenreuther zur großen Inspektion gebracht. Ich lasse erneuern: Bremsbeläge u. evtl. Scheiben, evtl. poröse Schläuche ( wo auch immer ), Riemen, Kettensatz, Stoßdämpfer ( wenn nötig ), Gaszug, einen zweiten lasse ich mir als Ersatz „blind“ verlegen. Und jetzt kommt der Papierkram. Hatt jemand von euch ne Ahnung wie schwierig es ist eine sogenannte „grüne Versicherungskarte“ für Tunesien zu erhalten? Ich mittlerweile schon. Um den Zoll und so einen Klimbatsch kümmert sich, Gott sei Dank, die Rallyeorganisation „JSO“ ( Jörg Steinhäuser Organisation ), sagt sie jedenfalls. Ich versuche mich mittlerweile mit dem sch... GPS vertraut zu machen und hoffe jemals ein Roadbook zu verstehen!? Und Lampenfieber, ihr werdets kaum glauben, hab ich auch. Wir starten ja schließlich in Frankfurt/M. auf der Zeil ( zwar nur Showstart, denn der eigentliche Start ist in Tunis ) und werden auch noch von der Presse ( BILD, wer sonst? ) begleitet. Nur nicht blamieren und schon beim Start in die falsche Richtung fahren.
Vom Start bis zum Ziel.......
.....war es ein weiter Weg, genau 1.869,1 KM in 6 Tagen!
Gestartet wurde zweimal ( streng genommen sogar dreimal ), einmal ein SAhowstart am Freitag, den 06.10.2000 um 12:00 Uhr, in Frankfurt/M. auf der Zeil ( wo unter anderem auch ich startete, siehe Bild ) und auf dem A1-Ring in Österreich. Der eigentliche „echte“ Start erfolgte dann am 08.10.00 in Tunis auf der Avenue Habib Bourguiba und führte uns über Salloum zum ersten Etappenziel nach Kairouan.
An diesem ersten Tag passierten gleich mehrere Missgeschicke, die Fähre landete mit sehr großer Verspätung in Tunis / La Goulette, so daß der für 13:00 Uhr Ortszeit ( Tunis liegt aufgrund der fehlenden Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit zur Sommerzeit 1 Stunde hinter uns zurück, alles kapiert ? ) geplante Start erstmal kräftig verschoben werden mußte. Dadurch fiel der Prolog ( dient zur Ermittlung der Startreihenfolge, ähnlich dem Zeittraining in der Formel 1 ) am Strand von Tunis in den Abend, was folglich eine äußerst bescheidene Sicht nach sich zog und allen „nicht Geländewagen“ aufgrund der geringen Leuchtkraft unserer Funzeln einen gewaltigen Nachteil verschaffte.
1. Etappe - Der Prolog und von Tunis nach Kairouan, 201,4 km
Der Strand war der Art mit „Unrat“ übersät, daß dieser Prolog einem „russischen Roulette“ im Dunkeln sehr nahe kam. Mich erwischte es schon ca. 50 Meter nach dem Start ( Massenstart ) als ich gerade eines der Moppeds rechts überholen wollte und beim ausscheren wohl irgendwie übersehen hatte daß da ein gewaltiger Stein am Strand lag, was solls, wir sind ja auf einer Rallye und da darf man das wohl nicht so eng sehen. Ich nahm ihn also mit dem rechten Vorderrad ( Delle in der Felge und Überschlag mit Abwurf ), schüttelte mich kurz, bedankte mich bei dem Sch... Stein, stieg etwas wackelig auf und fuhr weiter ( harte Jungs die Rallyefahrer, gelle? ), schließlich wollte ich ja noch einen guten Startplatz rausfahren. So nach ca. 3 KM, etlichen plötzlich auftauchenden sehr knapp umAfahrenen Hindernissen wie große Anker ( die Dinger hättet ihr mal sehen sollen ), Holzpflöcken, zerlegten Booten, angeschwemmten Baumstämmen ( keine Ahnung wo die herkamen ) und vielen weiteren Kollegen des o.g. Steines bemerkte ich, so aus den Augenwinkeln heraus, eine blaues Quad im Mittelmeer und dessen verzweifelt badenden Fahrer ( Mario Kühn ). Ihm ergang es ähnlich wie mir, ein freundlicher Kollege meines ersten Steines beförderte den Quadfahrer ( samt Quad selbstverständlich ), gleich einer Billardkugel an der Bande, von seinem relativ parallelen Kurs zum Strand im 90 Grad-Winkel ungebremst ca. 25 Meter weit ins Mittelmeer hinein. Sah schon ulkig aus, wie das Quad ( ein Banshee schwimmt im Salzwasser, wär hätte das gedacht?? ) von den Wellen abwechselnd zum Strand und wieder ins Meer hinein gehoben wurde, für den Fahrer war es wohl weniger lustig. Ich kehrte also um und mit vereinten Kräften, nassen Hosen und vollgelaufenen Stiefeln, hievten wir die Banshee, unter zu Hilfe nahme der nächsten großen Welle, an Land. Währenddessen raste der größte Pulk des Feldes an uns vorbei und amüsierte sich köstlich wie man uns nachher glaubhaft versicherte. Wir machten zwar während des Restes der „Hindernissfahrt“ noch einiges an Boden gut, landeten jedoch im undankbaren Mittelfeld. Undankbar deshalb, weil wir noch jede Menge Staub der vorausfahrenden Fahrzeuge schlucken würden, das wußten wir aber zu diesem Zeitpunkt zum Glück noch nicht. Am Abend dann, glücklich, nass und erschöpft am Ziel / Hotel angekommen, erledigten wir zuerst den Service an unseren Quads ( Sehr wichtig, bei den Cowboys wurde auch immer zuerst das Pferd versorgt ) und anschließend begaben wir uns an die Tränke, äh sorry, in den Speisesaal und legten uns nach dem ersten Tunesischen Mahl ( in unserem Zustand ißt man so ziemlich alles ) zur Ruhe, die Weicheier wie ich ins Hotelbett und der harte Kern ins mitgAebrachte Zelt.
2. Etappe – Marathon von Kairouan über El Hamma zur Oase Ksar Ghilane am Rande der Sahara, 488 km
Der Start erfolgte um 08:00 Uhr Ortszeit, das Frühstück um Sieben war nicht der Rede wert und bleibt deshalb unerwähnt, die Marathonstrecke ( wie alle Etappen ) war in Abschnitte mit und ohne Servicezeit gegliedert.
Ohne Servicezeit bedeutet, daß keine Zeitvorgabe erfolgt und auf Höchstgeschwindigkeit gefahren werden muß, muß man unterwegs Service tätigen, wie z.Bsp. Tanken, Kerzenwechsel, Sturzteile aufsammeln, Lenker zurechtbiegen u.ä., so fließt dies mit in die Fahrzeit ein und es gilt als Wertungszeit die Differenz zwischen Start- u. Zielzeit dieses Abschnittes.
Mit Servicezeit bedeutet, daß für die ( lt. Roadbook ) bekannte Streckenlänge des Abschnittes eine Durchschnittsgeschwindigkeit vorgegeben wird und jeder Fahrer sich an Hand seiner Startzeit ( Formel: Strecke / Geschwindigkeit x 60 = Sollzeit in Minuten ) seine strafzeitfreie Ankunftszeit selbst errechnen und diese an der ZK benennen muß. Kommt der Teilnehmer innerhalb, bzw. vor der ( hoffentlich ) richtig errechneten Zeit an der ZK ( Zeitkontrolle ) an, so ist alles paletti und er bekommt die ( logischerweise für alle Teilnehmer gleiche Fahrzeit, da alle Teilnehmer die gleiche Durchschnittsgeschwindigkeit benannt bekommen ) errechnete Fahrzeit gewertet. Kommt der Teilnehmer jedoch nach Ablauf der rechnerischen Fahrzeit in die ZK, so wird die rechnerische Fahrzeit +VSPZ ( Verspätungszeit ) und bei falsch errechneter Fahrzeit noch zusätzlich +Strafzeit 30 Minuten gewertet.
Diese Etappe war wohl eine der schönsten, lang, anspruchsvoll und landschaftlich ein Traum. Sie führte über öffentliche Verkehrswege, Sand- u. Geröllpisten, Gebirgspassagen und eine zauberhafte Hochebene ( in der angeblich auch schon für Star Wars gedreht wurde ). Auf einer der GeröAllpisten im Gebirge erwischte es die Banshee und dessen Fahrer sehr übel. Die Banshee fuhr in die von mir „produzierte“ Staubfahne und bemerkte dadurch zu spät, daß die Piste einen scharfen Knick machte. Die Banshee, getrieben von den Gesetzen der Physik, verfolgte den geraden Kurs und wählte einen großen Felsbrocken am Pistenrand als Notbremse. Die Banshee ward von da an gute 20 cm kürzer und Mario um etliche Blessuren reicher. Es ist Ihm jedoch zum Glück nichts ernsthaftes passiert. Wir verloren dadurch jedoch eine weitere gute halbe Stunde und Mario außerdem noch sein Gepäck mit Foto, Reservekanister u. Reisepass. Nach dieser wirklich tollen Strecke wurde der Rest bis zur Oase auf einer sogenannten Wellblech- bzw. Pipelinepiste in Höchstgeschwindigkeit zurückgelegt. Dieser Streckenabschnitt war ca. 70 km lang und für uns Quadfahrer die Hölle. Es gab zwar schöne große Bodenwellen über die man im wahrsten Sinne des Wortes mit rund 100 km/h „fliegen“ konnte, es gab aber auch ( bzw. fast nur ) die kleinen kurzen Wellen ( deshalb der Begriff Wellblechpiste ). Diese hatten es in sich, der Lenker schüttelte sich, daß man meinte einen vorsintflutlichen Presslufthammer zu bedienen. Es schien, als würden sich die Hände im Handschuh auflösen wollen und das es einem die Arme abschütteln würde. Man zählte unweigerlich die noch zu fahrenden km und betete inständig das Ende dieser Strecke doch nur endlich zu erreichen. Das mit dem erreichen war jedoch so ne Sache, denn ca. 10 km vorm Ziel gang mir der Sprit aus. Die Banshee hatte den Reservekanister leider verloren und so wollte Mario mich ins Ziel schleppen, was jedoch eine Zeitstrafe zur Folge gehabt hätte. Zum Glück hielt jedoch ein Gespann ( das einzig teilnehmende übrigens ) an und konnte mit Reservesprit aushelfen. So konnten wir die Etappe zu Ende fahren. Im Ziel angekommen ( 16:06 Uhr Ortszeit ) war der Anblick der OaseA und des anschließenden Dünenfeldes überwältigend. Im Fahrerlager, innerhalb der Oase, angekommen, erledigten wir erst mal unseren Service und begaben uns dann zum ausgiebigen Bad unter Palmen in die Oase, das Wasser war superwarm und nach dieser langen Strecke eine wohltat. Natürlich wurde nach dem langen Ritt auch ein bischen gefeiert und Benzin gequatscht.
3. Etappe – Durch die Sahara, 87,2 km
Eine der kürzesten ( und dennoch „längsten“ ) und schwersten Etappen. Eine Prüfung für Mann ( Frau ) und Maschine. Der erste Streckenabschnit, rund 50 km, führte über die Wellblechpiste zur ersten DK ( Durchgangskontrolle ) nach Bir Soltane. Auf der Wellblechpiste ereilte Mario mit der Banshee leider eine technische Panne, die Vergaserschieber gingen fest. Ursache war der feine Sandstaub der es trotz geöltem Schaumstoff und Gazeüberzug irgendwie durch den Luftfilter geschafft hatte. Mario wurde von Ziegler mit seinem Tatra ( dem „Camion Balai“ ) bis zur DK geschafft um von dort zurück zur Oase geschleppt zu werden. Nun mußte ich wohl alleine durchs Dünenfeld. Von der DK sollte es auf einen GPS-Punkt in möglichst direkter Luftlinie ins Ziel zur Oase gehen. Na ja, ich als Greenhorn dachte, mit nem Quad durch die Wüste über die Dünen? Nichts leichter als das. Denkste! Die ersten 12 GPS-km ( Luftlinie ) liefen auch sehr gut, ich fuhr die Dünen rauf und runter. Null Probleme, alles lief bestens. Und während ich darüber sinierte wie einfach doch die Dünenfahrerei ist grub ich mich prompt ein. Schicht im Schacht. Ende. Nicht ging mehr. Weder vor noch zurück. Ich also runter vom Quad, die Muskeln ( wer lacht da? ) angespannt und versucht die Polaris rauszuheben. Ging beim ersten mal auch ganz gut. Aber irgendwie war ich aus dem Rhythmus und mein Selbstvertrauen war auch weg. Jedenfalls grub ich mich die nächsten 5-6 km ( Luftlinie ) ständig wieder ein undA von mal zu mal fiel mir die Graberei ( zum „rausheben“ war ich schon nach dem zweiten mal zu schwach ) schwerer. Zu allem Unglück war mein Camelbag auch fast leer, das Beißventil war defekt und ohne das ich es merkte verabschiedete sich ein Großteil meines Wassers ungenutzt im Wüstensand. Ich hatte zwar noch einen Notvorrat in einem Wassersack in den Rahmen geschnallt, doch den wollte ich wirklich nur nutzen wenn es gar nicht mehr anders gehen würde. Als ich mich das letzte mal eingrub war ich zu erschöpft und schlief während des ausgrabens hinter dem Quad vor Erschöpfung und Durst ein. Ich dachte ich müsse mit dem Leben abschließen, ich war so verdammt allein hier draußen. Wo ich mich vorher auch umschaute, nirgends entdeckte ich andere Teilnehmer. In Gedanken an meinen Sohn, den ich nie wieder zu sehen glaubte, und der schwachen Hoffnung bzw. dem Wunsch aus dieser Hölle von der Orga oder sonst wem befreit zu werden schlief ich also den Schlaf der besiegten. Die Wüste hatte mich besiegt. Man mag vielleicht lachen, aber die Situation in solch einem Moment ist wirklich sehr ernst und bedrohlich. Die besten Worte reichen nicht aus diese Situation in Ihrer Realität zu schildern. Die Wüste ist schön und erbarmungslos. Nach ca. 1 Std. bin ich wohl vor quälendem Durst wieder aufgewacht. Ich stellte mich der Situation, mobilisierte meine letzten Reserven und wollte mich nicht so einfach geschlagen geben. Ich habe noch niemals aufgegeben, warum sollte ich jetzt damit anfangen!? Ich malte mir aus, wie schön die Zieldurchfahrt werden würde und wie sehr ich auf mich stolz sein könnte es zu schaffen. Ich würde, ich mußte es schaffen. Dies war ich mir schuldig .
Ich grub die Polaris unter großen Mühen ein letztes mal aus und verschnaufte dann noch mal eine halbe Stunde. Ich versuchte mich so gut es ging auf das letzte Stück zu konzentrieren. Noch ca. 13 km Luftlinie, Adas mußte doch zu schaffen sein. Ich fuhr los. Mit jedem zurückgelegten km wurde ich sicherer und fand einen guten Rhythmus. Nicht zu schnell und nicht zu langsam. Das wichtigste ist Konzentration, eine beherzte Gashand, ständige Bewegung und ein Gespür für das was einem hinter der nächsten Düne erwarten würde. Ich geriet zwar noch ein paar mal in brenzlige Situationen, unter anderem eine wilde Kamelherde von ca. 25-30 Tieren, doch ich schaffte es. Als ich, wie mir schien nach einer Ewigkeit, ins Ziel eintrudelte war das Gefühl überwältigend. Ich hätte heulen können vor Glück und tat es wohl auch ein wenig. Ich hatte die Wüste bezwungen und was noch wichtiger war, ich hatte mich nicht aufgegeben! Der erste Schluck Wasser war das köstlichste was ich je trank. Das erste Gespräch war das beste was ich je führte. Und auf meine Polaris war ich so unsagbar stolz, sie hatte mich ohne zu murren durch die flirrende Hitze die höchsten Dünen hinaufgetragen und sicher ins Ziel gebracht. Was will man mehr. Leider hatte nicht jeder das Glück wie ich. Wenn ich mich recht erinnere schafften es insgesamt nur ca. 10 von 56 Fahrzeugen in Wertung ins Ziel zu kommen. Ein Großteil erkannte die Schwierigkeit zu Anfang und verließ das Dünenfeld frühzeitig oder fuhr erst gar nicht hinein. Der Rest der Truppe mußte in den Dünen übernachten. Manche sogar 2 Nächte. Vielen Moppedfahrern gang der Sprit aus. Viele Geländewagen gruben sich hoffnungslos ein und viele gaben sich auf. Doch es wurden letztlich alle rausgeholt. An dieser Stelle sei der Orga ein großes Lob ausgesprochen. Alle waren in Sorge und unermüdlich Tag und Nacht im Einsatz um alle Teilnehmer zu lokalisieren und zu bergen. Es waren auch viele Teilnehmer an den Such- u. Bergeaktionen mit großem Erfolgt beteiligt. Zu erwähnen ist hier das tollkühne Iltisteam ( Thomas Kiewitt und Jörn Tomeit ) die sich unter großen Anstrengungen bis zu eiAnem Moppedfahrer durchschlugen der schon seit zwei Tagen ( ! ) kein Wasser mehr hatte und sich bis zum Halse im Sand eingegraben hatte um der größten Hitze und der Austrocknung zu entgehen. In diesen Tagen der Extreme war der Zusammenhalt aller Beteiligten nötig und bewundernswert. Diese Etappe war für mich die extremste und lehrreichste. Nichts desto trotz würde ich sie am liebsten sofort wieder fahren. Die Wüste läßt einem nie mehr los.
4. Etappe – Ksar Ghilane nach Tamerza, 348,3 km
Dieser Tag fing irgendwie nicht gur für mich an. Fragt mich nicht warum, ich spürte einfach das heute etwas schief laufen würde. Und es kam wie es kommen mußte. Während des ersten Streckenabschnittes auf einem öffentlichen Verkehrsweg riß an der Polaris der Riemen der Variomatic und zerstörte mir dabei teilweise das schützende Plastikgehäuse. Nun war guter Rat teuer. Ersatzriemen hatte ich 2 Stk. Dabei, dummerweise auf einem Service-Lkw. Das Iltisteam ( Dirk Sylla ) schleppte mich bis in den nächsten Ort nach Douz an eine Tankstelle. Dort wollte ich warten bis der Service-Lkw vorbeikommt. Ich hoffte nur nicht zu lange warten zu müssen, da ich vom ersten Start bis zur ersten ZK nur 2 Stunden Zeit hatte, danach würde es Strafzeit geben. Ich hatte Glück und der Service-Lkw kam, er hätte theoretisch auch eine andere Strecke fahren können und dann hätte ich gewartet bis zum umfallen. Für diesen Fall versprach mir Dirk Sylla, falls ich nicht bis zum Abend in Tamerza sein sollte, zurückzufahren ( rund 320 km ! ) und mich abzuholen. Doch dies war zum Glück nicht nötig. Ich wechselte den Riemen, nahm einen weiteren Riemen und Werkzeug ( gebranntes Kind scheut das Feuer ) mit und setzte meinen Weg fort. Doch es half alles nichts. Ich kassierte 1,5 Std. Strafzeit auf diesem Abschnitt. Pech. Die weitere Strecken nahm ich, obwohl landschaftlich sehr reizvoll, nur unbewuAßt wahr, da ich verbissen versuchte die 1,5 Std. wieder reinzufahren. Gelang leider nur äußerst unbefriedigend. Da es sich fast ausschließlich um Highspeedstrecken handelte waren die Moppeder natürlich Geschwindigkeitsmäßig im Vorteil. Nichts desto trotz kam ich noch gut in Tamerza an. Das dortige Hotel, Tamerza Palace, war ein Traum.
5. Etappe – Tamerza nach Tabarka, 454,5 km
Dies war eine der schnellsten Etappen. Es wurden sehr schöne und anspruchsvolle Pisten befahren, teilweise auch wieder öffentliche Verkehrswege. Ein Teil der Strecke führte über ein „Gebirge“, diese Strecke war sehr gut und traumhaft zu fahren. Schöne Kurven, die Straße gesäumt von Bäumen, Sträuchern und begrünten Hängen und man konnte einen atemberaubenden Anblick auf Täler und Schluchten werfen. Auf dieser Strecke, obwohl kein Speed notwendig war, packte mich – wie Mario es ausdrückte – der „Fahrriemen“, ich schoß im Drift die gewundene Straße gen Tal und jubelte vor ob so viel Fun. Herrlich. Einfach gut. Übrigens gab es auch auf dieser langen Etappe keinerlei technische Probleme ( außer einem starken Reifenabrieb, grins ) an unseren Quads.
6. Etappe – Tabarka nach Tunis, 278,7 km
Dies war die kühlste und feuchteste Etappe. Wir fuhren mehr oder weniger an der Küste entlang und es regnete teilweise. Brrrrr, so eine Saukälte nach den schönen warmen Wüstentagen. Aber wir brachten auch diese Strecke ohne größere Zwischenfälle ( außer feuchten Klamotten und eingeschlammten Fahrzeugen ) hinter uns. Dies war der letzte ( zu fahrende ) Rallyetag.
Schade, uns alle packte die Wehmut. Ich wäre so gerne gleich die nächste Rallye gefahren. Wir fuhren in einem Konvoi nach Tunis hinein zum Ziel auf der Avenue Habib Bourguiba wo der Gesamtsieger der Rallye, Peter Tressi, mit einer ( echten ! ) Champagnerdusche und großem Rummel empfangen wurde. Am AbendA wurde dann in der Hoteldisco die Siegerehrung durchgeführt. Ich bin ein bischen traurig wenn ich daran denke, denn dies war das Signal zum Ende dieser Rallye ( für dieses Jahr ). Doch die nächste fahr(en) ich (wir) bestimmt wieder mit! Ach, bevor ich‘s noch vergesse, ich erreichte in der Gruppe Enduro ( da wir nur zwei Quads waren gab es keine eigene Wertung ) den 12. Platz ( von 35 Fahrzeugen ) und Mario Kühn den 19. Platz. In der Gesamtwertung erreichte ich ( von 56 Fahrzeugen ) den 16. Platz und Mario Kühn den 24. Platz. Da wir mit den Iltisen unter dem Namen „Die Palfinger“ ( Sponsor der Iltistruppe ) auch in der Teamwertung fuhren, erreichten wir den 4. Platz von 7 Teams.
Großen Dank und großes Lob an die JSO Organisation, besonders an Jörg „Steini“ Steinhäuser, den Organisator der Rallye. Es hatt alles wunderbar geklappt und es gab im großen und ganzen, jedenfalls aus meiner Sicht, keinen Grund zur Klage. Die Orgamitarbeiter waren sehr kompetent und hilfsbereit und massgeblich am Gelingen dieser Rallye beteiligt. Ich hoffe die Orga wird mir verzeihen, wenn ich hier nicht alle namentlich aufführe, denn der Dank und die Bewunderung gilt dem gesamten Team.
Natürlich möchte ich auch die Fa. Taubenreuther nicht unerwähnt lassen, welche mir unmittelbar vor der Rallye noch einen Inspektionstermin ermöglichte und mir mit Rat und Tat sowie ersatzteilen zur Seite stand. Danke.
Desweiteren wurde ich von der Fa. Reuter Mobilfunk GmbH aus Eschborn mit einem Rallyetauglichen ( weil abwaschbar u. staub- u. stoßfesten ) Handy von Ericsson ( meiner langjährigen Lieblingsmarke ) dem „R 310 s“ ausgerüstet. Danke. |