Samstag; 27.Mai 2006; 15.00 Uhr; Geschäftsschluss; noch ein paar Sachen ins Auto packten, die Katze wegbringen und los geht´s Richtung Kroatien.
Gut 14 Stunden später sind wir am Ziel; Hotel „Alba“ in der Nähe von Biograd, direkt am Meer.
 Die Sonne scheint, es ist warm, die Laune ist gut.
Da die meisten Teilnehmer bereits gestern angereist sind, ist der Hauptparkplatz natürlich schon belegt. Die bunten Quad´s und Enduro´s stehen geordnet in Reih´ und Glied und warten nur darauf endlich losgelassen zu werden. Die vorherrschende Farbe ist selbstverständlich Orange! Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Hauptorganisator für KTM in Österreich arbeitet und auch die „Orga“ hauptsächlich auf Motorrädern dieser Marke die Rallye begleitet.
Die Wiese neben dem Hotel ist überfüllt mit Motorrad-Trailern, Wohnmobilen und Leuten die schwer beschäftigt sind und anscheinend noch jede Menge zu erledigen haben.
Auch wir nutzen den Vormittag, um die Fahrzeuge startklar zu machen, den Papierkram zu erledigen, Freunde zu begrüßen und die Konkurrenz zu beschnuppern. An der Strandpromenade gönnen wir uns noch in Ruhe eine Pizza, bevor das erste Roadbook ausgegeben wird und der Prolog startet.
(...beim Prolog geht es lediglich um die Festlegung der Startreihenfolge für den nächsten Tag!)
Im Konvoi geht es los, nach gut einem Kilometer biegt der gesamte Tross von der Küstenstraße ab und man glaubt es kaum, bereits nach 100 Metern schlägt unser Offroader-Herz Purzelbäume; ...ab hier beginnen die zahllosen Schotterwege! ..... Schon nach den ersten Metern geht es los: ...links abbiegen ...sofort wieder rechts ... „den Hauptspuren folgen“
(... welche Hauptspuren?) ... nächste Kreuzung rechts (...hä, Kreuzung?)...nach weiteren 250 Metern spitz links abbiegen. STOP!!! Zurück, Konzentration und dann das Ganze noch mal von vorn, dieses mal etwas langsamer! Ah! ...hier geht es bereits links ab und hier kreuzen tatsächlich zwei Wege ... geht doch!
Nur Vollgas bringt also gar nicht´s. Viel wichtiger ist das navigieren! Und das gilt auch für den Rest der Rallye, denn wer sich einmal so richtig verfranzt hat, kann den Rückstand selbst auf der insgesamt 1.000 km langen Strecke, auch durch noch so hohe Geschwindigkeiten nicht wieder einfahren.
Und obwohl nach dem relativ kurzem Prolog bei dem ein oder anderem Teilnehmer schon die ersten kleineren Blessuren zu verzeichnen sind, hatten alle höllisch´ Spaß! Bei einem der ATV´s hat sich sogar das komplette Hinterrad verabschiedet, weil beim Reifenwechsel die Radmuttern nicht richtig festgezogen wurden! (...so gefällt mir die Konkurrenz!) Abends erfolgt dann das Briefing und die Roadbook Ausgabe für den nächsten Tag. Jetzt müssen unsere Frauen ran! Die einzelnen DIN A5 Seiten müssen zusammenklebt und markieren werden, damit sie am nächsten Morgen aufgerollt in den Roadbook-Halter am Fahrzeug-Cockpit passen.
Am Montag startet dann die erste richtige Etappe durch das wilde Hinterland Kroatiens. Entlose Schotterwege durchziehen die felsige und hügelige Landschaft. Und gerade wenn man denkt der Weg endet im Nirgendwo steht man völlig unverhofft mitten in einer Ortschaft und wird von winkenden Kindern begrüßt. So geht es den ganzen Tag, herrliche Landschaften, Schotter bis zum abwinken und jede Menge Möglichkeiten um sich zu verfahren. (...davon mache ich dann auch direkt Gebrauch und verbringe über 45 Minuten damit im Kreis zu fahren um den richtigen Weg wiederzufinden.) Eine kleine Gruppe von Quadfahrern hat sich dermaßen verfranzt, dass sie die Etappe sogar vorzeitig beenden muss. (...wie gesagt, bei dieser Konkurrenz rechne ich mir fast noch Chancen aus!)
Unterbrochen wurde die insgesamt 250 km lange Strecke nur durch zwei separat gewertete Sonderprüfungen
und mehrere Kontrollpunkte. Auf einer der Sonderprüfungen musste zusätzlich mit dem Kompass navigiert werden, was natürlich zu vermehrt auftretenden Gegenverkehr führte.
Die Ankunft im Ziel am frühen Abend wurde dann erst mal mit einem kühlen „Karlovacko“ gefeiert.
Und wie lautete die Aussage der „Orga“ beim abendlichen Briefing so treffend: „...und da alle Teilnehmer das Hotel erreicht haben, hat unser Roadbook ja wieder mal hervorragend gepasst!“ Ha,ha....
Der zweite Tag verlief ähnlich. Natur pur, weißer Fels zwischen grünen Sträuchern dazwischen die mit kleinen Steinmauern eingerahmten Felder der Bauern und rundum wieder jeder Menge Schotterwege.
Zur Abwechslung dann mal ein verfallenes Bergdorf bei dem die Mauerreste schon fast wieder zugewuchert sind oder ein quirliges Städtchen mit gemütlichen Kneipen und Cafes am Straßenrand. Am Nachmittag gab es eine Zwangspause für alle Teilnehmer. Auf einem Bergrücken mit grandioser Aussicht auf die zerklüftete Küste und die zahlreichen vorgelagerten Inseln, gab es ein herzhaftes Picknick. Bis jetzt herrschte eitel Sonnenschein, doch auf den letzten Kilometern der Etappe zog dann ein richtig heftiges Gewitter auf und so erreichten die meisten Fahrer das Hotel dieses mal nicht komplett eingestaubt sondern triefend nass.
Am Mittwoch gab es einen Ruhetag. den die meisten der Fahrer (bzw. deren Mechaniker) nutzten um die Fahrzeuge zu warten. Reifen wurden gewechselt, Schrauben mussten nachgezogen werden und auch die Luftfilter brauchten dringend eine Reinigung. Die ganz Ehrgeizigen mussten bereits verbrannte Kupplungen wechseln oder ganze Fahrwerkskomponenten austauschen. (...wohl dem, der einen finanzkräftigen Sponsor im Rücken hat!) Nach der Arbeit dann das Vergnügen. Während der ein oder andere lieber am Strand döste oder durch den Ort bummelte, erkundeten einige der Quad- bzw. ATV-Fahrer die Umgebung lieber auf eigene Faust (...dieses mal ausnahmsweise mit unseren Frauen). Das man aber hier nicht überall frei fahren kann, wurde uns schlagartig klar, als wir am Wegrand ein umgeknicktes Schild mit Totenkopf und der Aufschrift „Minen“ fanden. Ein paar Meter weiter zeugte ein schwarzer Fleck am Boden davon, dass dieses Schild hier nicht nur zum Spaß aufgestellt wurde. Also vorsichtig drehen und in der gleichen Spur zurückfahren.
Hört sich jetzt zwar wild an, aber die wenigen noch verminten Gebiete sind eigentlich relativ gut abgesperrt oder zumindest ausgeschildert. Die bei der Rallye befahrenen Strecken dagegen sind absolut sicher!
Am Donnerstag und Freitag ging dann die übliche Bolzerei über Wald- und Schotterwege weiter. Wobei am Donnerstag eine Bergetappe das absolute Highlight bildete. Über extrem groben Schotter und zum Teil blanken Fels ging es steil bergauf. Oben dann eine ausgedehnte Hochebene mit saftig grünen Wiesen und einzelnen weißen Felsbrocken zwischen denen sich der Weg hindurch schlängelte. Das Ganze eingerahmt von hohen Bergen, darüber strahlend blauer Himmel und eine atemberaubende Fernsicht. (...und ich könnte schwören, am Horizont ritten Winnetou und Old Schatterhand vorbei und als sie mich erblickten, bäumten sich ihre Pferde kurz auf, bevor sie wieder zwischen den Felsen verschwanden!) ...der absolute Hammer!
Auf der anderen Seite ging es dann durch dichten Wald wieder ins Tal. Diese Etappe wurde gleichzeitig als Sonderprüfung gewertet und wegen der dicken Steine im ersten Teilstück waren unsere vierrädrigen Fahrzeuge dieses Mal eindeutig im Vorteil.
Bei der letzten Etappe am Freitag spielte das Wetter leider nicht mit. In den Bergen war es regnerisch und saukalt! Dazu kam noch ein derart starker Wind, dass die Fahrzeuge fast von der Straße gefegt wurden. Deshalb musste auch die Sonderprüfung „der Allan-Man“ abgesagt werden. Dieser Bewerb wird jedes Jahr wieder ausgefahren und auch gesondert gewertet. Dabei geht es einzig und allein um Geschwindigkeit. Eine ca.12 km lange gute Schotterpiste windet sich in engen Serpentinen den Berg hinauf und wer am schnellsten oben ankommt hat gewonnen. Normalerweise hätte eines der beiden hubraumstarken Quads von Kawasaki diesen Titel mit nach Hause nehmen müssen, aber da es neben der Strecke keine Fangnetze sondern nur tiefe Abgründe gab, wäre eine Befahrung wirklich unverantwortlich gewesen. Dafür hatte dann auch jeder Verständnis.
Am Freitag Abend fand dann nach dem gemeinsamen Abendessen auch gleich die Siegerehrung statt. Gewertet wurden Ein- und Zweizylinder Enduros, die „Old Boys“, die Damen und natürlich die Quads. Pokale gab es für jeden Teilnehmer, die Sieger durften sich zusätzlich noch über Gutscheine und Sachpreise freuen.
Bei den Quads hat Rene Köhler verdient gewonnen, gefolgt vom berühmt berüchtigten „Herkules Deutschland Racing Team“ auf Platz 2 und 3. Und meine deutlich untermotorisierten Yamaha “Kodiak“ konnte immerhin noch einen respektablen 4ten Platz einfahren. ...mich hat´s gefreut!
Fazit: Alles in allem ein richtig gute Veranstaltung. Die Organisation war vorbildlich, es gab Ärzte, Sanitäter, Mechaniker und auch einen Rücktransport für liegengebliebene Fahrzeuge. Und das die Rallye teilweise durch Nationalparks und sogar auf „Mountain Bike Trails“ fahren durfte, zeugt von der guten Vorarbeit der Veranstalter. Die ursprüngliche Landschaft im Hinterland ist einmalig. (...auch wenn die Verbissenen unter uns nicht viel davon mitbekommen haben!). Fahren mit Roadbook und Tripmaster macht riesig´ Spaß und auch über das Hotel mit Halbpension kann sich bei dem Preis eigentlich niemand beschweren. Mir persönlich haben allerdings die fahrerischen Highlights gefehlt. So was wie Flussdurchfahrten, steile Hänge die vielleicht nicht jeder raufkommt oder trialartige Passagen hätten der Rallye vielleicht etwas mehr „Pep“ verliehen. Was ich dagegen äußerst positiv bewerte, ist die Tatsache das man selbst mit einem serienmäßigen ATV und auch als Einsteiger diese Rallye bestreiten kann. Bei mir bestanden die Vorbereitungen lediglich aus der Montage eines „Sigma“ Fahrradtachos und dem Bau eines Roadbook-Halters mittels Tupperdose und zwei M8 Gewindestangen. Dann noch voll tanken und fertig!
Für mich jedenfalls steht nächstes Jahr wieder Kroatien im Terminkalender, dann aber nicht bei der „Rallye di Croatia“, sondern wiedermal bei der legendären „Croatia Trophy“.
...ich hoffe man sieht sich!
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